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Geschichtliche Einordnung des untersuchten Prahms

Prahme

Ein Prahm ist ein so genanntes Plattbodenschiff. Plattboden deshalb, weil es im Gegensatz zu den meisten heutigen Schiffen keinen Kiel besitzt. Prahme waren die Frachtlastschiffe der Antike und wurden auf Binnengewässern eingesetzt. Auf ihnen konnten auch schwere Säulen, wie zum Beispiel der Trierer Domstein, über lange Strecken kostengünstig transportiert werden.

Für die Fortbewegung des Prahms stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Mit der Strömung kann man sich treiben lassen, und flussaufwärts bestand die Möglichkeit, zu treideln oder zu staken. Um zu treideln, werden am Mast ein oder mehrere Seile befestigt, und das Schiff wird von Land aus gezogen. Zum Staken wird eine Stakstange benutzt, mit der man sich vom Grund des Flusses in einer Vorwärtsbewegung abstößt. Als dritte Option konnte ein Segel benutzt werden. Auch hierfür gibt es bildliche Belege aus römischer Zeit. 

Entwickelt hat sich das Plattbodenschiff aus Einbäumen, als diese nicht mehr genug Platz zum Transport der Waren boten. Um den Platz für die Waren weiter zu vergrößern, wurden an den Seiten des Einbaums Planken angebracht und so das Freibord erhöht. Da die Zulademöglichkeit noch weiter erhöht werden sollte, schnitt man den Einbaum mittig auf, sodass zwischen den beiden Seitenteilen zusätzliche Bodenplanken eingefügt werden konnten. Um die Planken abzudichten, wurde Kalfat (geölter Hanf) zwischen die Planken getrieben und damit der Zwischenraum ausgefüllt.

Der Originalbefund zum untersuchten Versuchsprahm

Im Lac de Neuchâtel, bei Bevaix (Schweiz), wurden in den 1960er Jahren die gut erhaltenen Überreste eines römischen Prahms gefunden, die man eindeutig ins 2. Jahrhundert n. Chr. datieren kann. Mit einer Länge von 18 bis 20 Metern ist der Originalbefund aus Bevaix einer der kleinsten Typen dieser Art. Funde aus Mainz, Xanten und Zwammerdam belegen, dass auch die doppelte Länge, bis zu 40 Meter, nicht ungewöhnlich waren.

Römische Transportschiffe auf Binnenwasserstraßen

Dieser denkbar einfach konstruierte und ausschließlich auf Funktionstüchtigkeit ausgelegte Schiffstyp hat sich formal bis in die heutige Zeit erhalten und bildete lange Zeit europaweit das logistische Rückgrat des Binnenfrachtverkehrs. Schwergutfrachter dieses Typs sind für die römische Zeit im archäologischen Befund in großer Zahl nachweisbar. Einige der am besten erhaltenen Wracks stammen von den Ufern des Rheins und geben wertvolle Hinweise auf die Konstruktionen der römischen Schiffbauer.

Trotz der Fülle an archäologischen Überresten existieren nur wenige schriftliche Zeugnisse oder Abbildungen von Prahmen, deren Be- und Entladung oder deren Einsatz. Und das, obwohl es zahlreiche Beispiele für extreme Transportsituationen gibt.

Luisa Lessel, 20. Februar 2017