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Treideln

Untersuchungsobjekt und Zielsetzung

„Treideln“ ist der Begriff für das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch den Menschen. Insbesondere stromaufwärts und bei fehlender Windunterstützung wurden auch römische Last-schiffe (Prahme) an Seilen durch Muskelkraft gezogen. Der historische Befund gibt bisher vor allem Hinweise auf ziehende Menschen zum Vortrieb der Schiffe, daher soll in diesem Projekt messtechnisch erfasst werden, wie leistungsfähig das Treideln zur Fortbewegung eines römischen Lastkahns ist. Ziel war es, eine Vorrichtung zu entwickeln, die die Zugkraft im Treidelseil und den Seilwinkel zur Schiffsmittellinie messtechnisch erfasst und aufzeichnet, um daraus Rückschlüsse auf die optimale Seillänge und die Anforderungen an die Größe und die Leistungsfähigkeit der Treidelmannschaft ziehen zu können.

Treidelszene auf der Igeler Säule

Aufbau der Messeinrichtung

3D-Konstuktion der Messeinrichtung
Realisierte Treidelmesseinrichtung

Das Konzept der Messvorrichtung besteht aus zwei Platten, die senkrecht zur Schiffsmitte auf Lagerschalen am Mast fixiert werden. Zwei Lagerböcke führen eine senkrechte Achse mit Ausleger in zwei Gleitlagern. Die senkrechte Achse ist um 180° schwenkbar, der Ausleger um ca. 90°. Am Ausleger sind sowohl eine Kraftmesszelle zur Messung der Seilkraft als auch ein Drehwinkelgeber zur Erfassung des Winkels des Zugseils zur Schiffsmittelachse installiert. Zur Schonung des Mastes und zur Reduzierung des Gewichtes wurden die Lagerschalen aus Holz und alle weiteren Komponenten aus Aluminium gefertigt. Der Anschluss der Kraftmesszelle erfolgt über eine M12-Schraubverbindung und das Zugseil wird auf der Gegenseite in einem Gelenkkopf aufgenommen. Der Drehwinkelgeber wurde berührungslos ausgeführt, er erfasst den Zugwinkel des Zugseils magnetisch. Die Sensordaten werden über Kabelverbindungen zu einer Messbox geleitet, die mit unabhängiger Stromversorgung und einem Vorverstärker ausgerüstet sind. So können alle ankommenden Daten an Bord digitalisiert und auf einem Laptop aufgezeichnet werden. Die Sensordaten werden über Kabelverbindungen zu einer Messbox geleitet, die mit unabhängiger Stromversorgung und einem Vorverstärker ausgerüstet sind. So können alle ankommenden Daten an Bord digitalisiert und auf einem Laptop aufgezeichnet werden.

Treidelmessungen auf der Mosel

Treidelmessungen am 29.09.2016

Am 29.09.2016 kam die Vorrichtung bei Treidelmessfahrten am Konzer Moselufer zum Einsatz. Hierbei wurden Seilkräfte und -winkel sowie die gesamten nautischen Daten der Schiffsbewegung im Wasser bei unterschiedlichen Seillängen und Treidelgeschwindigkeiten aufgenommen. Die Messwerte werden im Nachgang miteinander verrechnet, um wind- und strömungsbereinigte Daten zu erhalten. Erste Auswertungen zeigen, dass der größte Kraftaufwand zum Beschleunigen des Prahms aufgewendet werden muss, und dass das Schiff mit erstaunlich wenig Treidelpersonal „in Fahrt“ gehalten werden kann. Eine beispielhafte Beschleunigungskurve für das Anziehen unseres Prahms zeigt das folgende Bild.

 

Beispielauswertung der Treidelseilkräfte während eines Treidelversuchs
Luisa Lessel, 20. Februar 2017