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Segelversuche

Untersuchungsobjekt und Zielsetzung

Prahme waren die Frachtlastschiffe der Antike und wurden auf Binnengewässern eingesetzt. Als Hauptantriebsart gilt das Treideln mit Seilen vom Ufer aus. Auf einschlägigen Reliefs findet man bei römischen Lastkähnen immer wieder einen Maststummel, an dem die Treidelseile festgeknüpft waren. Aber könnten die Römer nicht auch Segel zum Antrieb genutzt haben? Diese kräfteschonende Fortbewegungsart war ihnen bestens bekannt und wäre beim Lastentransport erheblich effizienter als das Treideln oder Staken. Allerdings weist der flache Rumpf des Prahms weder einen Kiel noch ein Schwert auf, die auf eine Segeleignung hindeuten würden. Daher soll durch praktische Versuche die Segeleignung des Prahms geprüft werden. 

Segel und Messtechnik

Nautische Datenerfassung - NX2-System und gerefftes Rahsegel

Moderne Segelschiffe sind in der Regel mit Schratsegeln ausgestattet, die in Ruhestellung in Richtung Schiffslängsachse gesetzt werden. Antike Rahsegel werden quer zur Schiffslängsachse gesetzt. Ein Kreuzen gegen den Wind ist mit einem Rahsegel nicht möglich. Da die Römer auf ihren Schiffen vornehmlich Rahsegel einsetzten, wurde nach historischen Vorbildern ein Zur Erfassung der nautischen Schiffsdaten und aller Schiffsbewegungen wurden ein Nexus NX2-GPS-Serversystem, wie es beim America‘s Cup zum Einsatz kam, verwendet. Als Referenz diente ein Velocitek Speedpuck - GPS Tracking System.

Der Rumpf

Moderne Segelschiffe haben an der Rumpfunterseite einen Balastkiel. Dieser dient als Gegengewicht zum Segeldruck, um ein Kentern zu verhindern, und er dient als Lateralplan, um die seitliche Abdrift bei Halb- und Amwindkursen zu verringern. Dem untersuchten Prahm fehlen als Plattbodenschiff jedoch Kiel und Schwert. In Verbindung mit dem Rahsegel war daher zu vermuten, dass der Prahm eine große Abdrift aufweisen würde, schlecht zu steuern und aufgrund des Segeldrucks hoch kentergefährdet sei.

Segelversuche

Um Schiff, Besatzung und Messeinrichtungen nicht zu gefährden, wurde eine Kentersicherung entwickelt und mit dem Schiffsrumpf verschraubt. Bei den ersten gesegelten Versuchsfahrten zeigte sich der Prahm aber überraschend stabil, und es bestand, trotz frischen Windes, keine Kentergefahr. Daher konnten alle weiteren Segelversuche ohne die Kentersicherung stattfinden. Entgegen aller Erwartungen war sogar das Segeln mit halbem Wind problemlos möglich und auch die Abdrift durch den senkrecht zur Schiffsmittelachse einfallenden Wind war verhältnismäßig gering. Zurückzuführen ist dies auf die über die ganze Schiffslänge senkrecht abfallende Bordwand, die das Schiff bei leichter Krängung mit der leeseitigen Rumpfkante wie ein Schwert im Wasser stabilisiert. Im weiteren Versuchsprogramm folgten Segelreihen auf verschiedenen Kursen zum Wind und mit unterschiedlichen Beladungen und Besatzungen, wobei jeweils die Steuereigenschaften, die Segelstellungen und die nautischen Daten des Bootes erfasst wurden. Auch bei einer Windstärke von 4 Beaufort war der Prahm gut beherrschbar. Auf Raumwindkursen wurde sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 5,7 Knoten gemessen. 

Prahm mit Kentersicherung
Segelnder Prahm auf der Mosel
Luisa Lessel, 20. Februar 2017