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Lebendige Geschichtsforschung - Römische Lastschiffe

„Lebendige Geschichtsforschung in Trier“ – gemeinsame interdisziplinäre Forschung und Studierendenausbildung der Fächer „Alte Geschichte“ und „Maschinenbau“.

Hintergrund

Anfang Oktober 2015 wurde im Yachthafen Monaise eine von Lehrern und Schülern der BBS Wittlich nach Plänen des Mainzer Museums für Antike Schifffahrt gefertigte 10 m lange und 1,70 m breite fahrtüchtige Rekonstruktion (M 1:2) eines römerzeitlichen Flussschiffes (Prahm) zu Lehr- und Forschungszwecken an die Universität Trier übergeben.

Dieser denkbar einfach konstruierte und ausschließlich auf Funktionstüchtigkeit ausgelegte Schiffstyp hat sich formal bis in die heutige Zeit erhalten und bildete lange Zeit europaweit das logistische Rückgrat des Binnenfrachtverkehrs. Schwergutfrachter dieses Typs sind für die römische Zeit im archäologischen Befund in großer Zahl nachweisbar. Einige der am besten erhaltenen Wracks stammen von den Ufern des Rheins und geben wertvolle Hinweise auf die Konstruktionen der römischen Schiffbauer.

Rekonstruktionszeichung des Prahms (Dr. Ronald Bockius, Leiter des Museums für Antike Schifffahrt in Mainz)

Trotz der Fülle an archäologischen Überresten existieren nur wenige schriftliche Zeugnisse oder Abbildungen von Prahmen, deren Be- und Entladung oder deren Einsatz, obwohl es zahlreiche Beispiele für extreme Transportsituationen gibt (man denke nur an den Transport des Trierer „Domsteins“, einer Basaltsäule von rund 30t Gewicht, die ursprünglich aus dem Odenwald stammt).

Auch die schiere Existenz diverser Trierer Baustrukturen aus römischer Zeit – hier können die Steintransporte für die Römerbrücke, immerhin rund 18.000t, als anschauliches Beispiel dienen – steht im krassen Gegensatz zu den Erkenntnislücken, denen sich die Geschichtswissenschaft in Ermangelung entsprechender Zeugnisse gegenüber sieht. Die Produktivität der Schiffbauer, die militärischen oder zivilen Auftraggeber, das Ausmaß der beförderten Güter und Personen, der hierfür notwendige Kraftaufwand, die Transportstrecken und –rhythmen und vor allem die Transportgeschwindig­keiten sind bislang noch weitgehend unerforscht geblieben, obwohl bereits einige Prahmrekonstruktionen in Europa existieren.

Antworten auf diese Fragen würden einen maßgeblichen Fortschritt für die Erforschung der römischen Binnenwasserstraßen, speziell in der Region Trier und der antiken Wirtschaft insgesamt bedeuten. Erstmals überhaupt könnte man bei Vorliegen exakter Leistungsdaten an quantifizierende Modelle zum römischen Binnenhandel denken. Damit ließe sich ein einzigartiger Beitrag zu den Bestrebungen einer Quantifizierung der römischen Wirtschaft leisten, einem Problem, an dem derzeit besonders die Kollegen in Oxford (A. Wilson, A. Bowman) arbeiten.

 

Karl Hofmann v. Kap-herr, 20. Februar 2017